Ein Rundgang in 24 Stationen

Auf einem Rundgang durch Wiesenbronn werden bedeutende und unscheinbare historische Gebäude vorgestellt. Sie zeugen von einer langen und wechselvollen Geschichte der uralten Siedlung am Steigerwald.
Der Dorfrundgang beginnt und endet an bzw. in der Grünanlage Seegarten (Nr. 1) unterhalb des Kirchberges. Dort besteht auch eine Parkmöglichkeit.

1. Der Seegarten
Im Jahre 1892 legte man den uralten, sogenannten Breiten See oder Dorfsee unterhalb des Kirchberges trocken. Anschließend Zeit bestimmten lange Zeit die namensgebenden Nutzgärten die Funktion des ehemaligen Dorfsees. Im Zuge der Flurbereinigung entstand eine Grünanlage, die vor allem als geeignete Kulisse für Dorf- und Vereinsfeste gerne in Anspruch genommen wird. Außerdem ist er Ausgangspunkt für Kultur- und Naturwanderungen durch Dorf und Flur.

2. Die Dorfkirche
Langhaus erbaut im Jahre 1603, die Turmuntergeschosse romanisch um 1200, 1715 erhöht mit Doppelzwiebel und Laterne. Das Innere besticht durch eine nahezu vollständig erhaltene Renaissance-Ausstattung mit Kanzel, Altar und Taufstein. Dazu kommen Freskenmalereien mit Motiven aus dem neuen Testament.

4. Die ehemalige Schule
Ein typisches Gebäude der sog. Neo-Renaissance aus dem Jahre 1863. Bis 1966 bestand die Volksschule Wiesenbronn. Seit 1821 besuchten auch die jüdischen Kinder die Schule auf dem Kirchenberg, Religionsunterricht wurde in der Synagoge erteilt.

3. Ehemaliges Kelter- und Kastenhaus
Erbaut um 1550 als Teil der Kirchenburg. Die großen Keller des Gebäudes sind noch älter. Hier kelterte der Ansbacher Markgraf seinen selbst angebauten Wein und den Zehntwein der Untertanen. In den Kellern reifte der Wein und im Obergeschoß lagerte das lebensnotwendige Getreide.

5. Das Pfarrhaus
Stattlicher Neubau aus dem Jahre 1793 mit Elementen aus der Übergangszeit Barock-
Klassizismus. Früher bildete das Pfarrhaus mit dazu gehöriger Scheune und Ställen eine landwirtschaftliche Hofstelle, den Pfarrhof.

6. Das Casteller Amtshaus
Als das Wasserschloß ruinös wurde, wohnten die Verwalter der Casteller Grafen in diesem 1793 neu erbauten Anwesen. Später sollte eine Gastwirtschaft mit Herberge eingebaut werden, was nicht verwirklicht wurde. Erhalten sind noch geräumige Kellergänge und die Einteilung der Übernachtungsquartiere.

7. Das ehemalige Wasserschloß
Schon im Mittelalter stand mitten in einem See das Schloß der Herren von Seinsheim. 1549 erwarben das Areal mit Schloß und Gutshof die Grafen von Castell. 1972 legte man das ruinöse Gebäude im Zuge der Flurbereinigung ein und verfüllte den Schloßgraben. Seinerzeit entstand der jetzige Weiher.

8. Das Kriegerdenkmal
An die Millionen Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege erinnert das 1923 vom Bildhauer Richard Rother geschaffene Kriegerdenkmal am Friedhof. Heute wird das Denkmal als Ehrenmal bezeichnet und dient auch der Erinnerung an Gewalt- und Terroropfer bis in die Jetztzeit sowie als ständiges Mahnmal für den Erhalt des Friedens. Am Ersten Weltkrieg nahmen auch vier jüdische Mitbürger teil, die alle wohlbehalten in die Heimat zurückkehrten.

9. Der Arkadenfriedhof mit Predigtkanzel

Friedhof vor 1600 angelegt, erweitert 1849 und 1972. Die Säulenhallen (Arkaden) boten bei Leichenfeierlichkeiten Schutz für die Trauergemeinde und die Freikanzel, das sog. Predigthäuslein, für den Pfarrer.

10. Die Brechhütte

Neubau von 1849. Hier wurde der in der Flur angebaute Lein mit heißer Luft gedörrt und anschließend mit sog. Flachsbrechen für die weitere Verarbeitung weich gebrochen. Schon vor dem Jahre 1900 stellte man den Leinanbau und die Leinverarbeitung ein.

11. Das Kellerhaus

Das 1839 erbaute Kellerhaus mit  Biergarten und Kegelbahn war für die Bevölkerung am Sonntagnachmittag eine willkommene Abwechslung. In den tiefen Kellern reifte das Bier. Dort lagerte man auch Natureis ein.

12. Das ehemalige Trafohaus

Wiesenbronn wurde bereits 1911 an das elektrische Netz angeschlossen. Im Jahre 1921 setzte eine Überspannung in der Zuleitung mehrere Gebäude in Brand. U. a. wurden ein Wohnhaus und vier Scheunen ein Raub der Flammen.

13. Das ehemals Ansbacher Amtshaus

Stattlicher, heute verputzter, Fachwerkbau von 1593 mit modernen Anbau. Hier residierte der Amtmann der Markgrafen von Ansbach. Er verwaltete deren Besitzungen, überwachte die Untertanen und war für die Einnahme der Steuern zuständig.

14. Das Rathaus

Erbaut 1724,mit Uhr und Figurenspiel am Dacherker (Bauer und Häcker) sowie Dachreiter mit Glocke von 1649. Inschrift über Ziffernblatt: Stumm und mit stillem Mund, schlagen wir uns jede Stund.

15. Die Dorfschmiede

Seit 1819 wird dieses Gebäude als Schmiede genutzt. Kennzeichnend für das Gebäude eines Hufschmied ist der angebaute, überdachte Arbeitsbereich, die sog. Beschlagbrücke. Sie diente vor allem für den Hufbeschlag für Pferde und Rindvieh.

16. Jüdisches Gasthaus Zum Goldenen Hirschen

Die uralte castell’sche Erbschänkstätte wurde seit 1815 von der Familie Klugmann betrieben. Um 1830 kam ein Tanzsaal hinzu. Ende des 19. Jahrhunderts gab man die Gastwirtschaft zugunsten der Landwirtschaft und des Viehhandels auf.

17. Die ehemalige Synagoge

Neubau von 1792/93. Seit Ende des 17. Jahrhunderts existierte in Wiesenbronn eine jüdische Gemeinde. Den Mittelpunkt  bildete die Synagoge. Sie war Betraum, Versammlungsort und Schulhaus zugleich. Außerdem wohnte dort der Rabbiner. Das Gebäude zeigt heute zwei Schauseiten: die verputzte Südfassade der Bauzeit 1792 und die bis heute ortsbildprägende Westfassade aus dem Jahre 1886.

18. Ehemaliges Badhaus

Das ehemalige Badhaus von Wiesenbronn diente nicht nur der Körperhygiene. Das Gebäude wurde von der Gemeinde errichtet und an ausgebildete Bader verpachtet. Vor allem im Mittelalter traf man sich hier auch zu Trunk, Spiel und Unterhaltung. Das Ende des öffentlichen Badewesens kam mit ansteckenden Krankheiten im 17. Jahrhundert.

19. Geburtshaus des Seligmann Bär Bamberger

1806 wurde hier Seligmann Bär Bamberger geboren. Nach seiner Rabbinerausbildung in Fürth betrieb er in Wiesenbronn ab 1827 einen kleinen Krämerladen, vor allem aber intensive religiöse Studien. Aufgrund seiner Gelehrsamkeit erfolgte 1840 die Berufung zum Distriktsrabbiner von Würzburg. Das Gebäude wurde 1982 abgebrochen. Heute erinnert eine Tafel an berühmten Sohn des Dorfes.

20. Fachwerkhaus Wießner

Typisches ländliches Wohnstallhaus, wohl 18. Jahrhundert. Dieses Gebäude repräsentiert die überwiegende Mehrzahl der dörflichen Wohngebäude bis in das 19. Jahrhundert. Unter dem Dach des Fachwerkgebäudes sind Wohnbereich und Viehstall vereinigt, getrennt nur durch den Flur.

21. Die Eich

Seit Jahrhunderten überprüfte man hier bis um 1930 den Rauminhalt von Büttnerprodukten (Fässer, Eimer). Bereits im 15. Jahrhundert wird die Eich als offener Brunnen erwähnt. Im 17. Jahrhundert erhielt das Gebäude einen Dachaufbau mit einer kleinen Wohnung. Inzwischen  modern zum Nachteil verändert.

22. Ehemaliger Sitz der Freiherrn von Seckendorf

Stattlicher Fachwerkbau von 1600, errichtet auf den Grundmauern eines Kellers aus dem 13. Jahrhundert. Hier wohnte ein Zweig der bekannten Seckendorfer bis um 1500. Im Jahre 1600 wurde der ruinöse Edelsitz als Bauerngut neu aufgebaut.

23. Fachwerkhaus Ackermann

Ein typisches Bauernhaus aus dem beginnenden  19. Jahrhundert mit massivem Erdgeschoß und Fachwerkgiebel. Markante Toranlage mit drei Torpfeilern von 1849.

24. Ehemalige Gemeindeschmiede

Lange Zeit verpachtete die Gemeinde ihre Schmiede an solche Handwerker. Um 1800 erfolgte der Verkauf in private Hände. Bis in das 20. Jahrhundert war die Werkstatt in Betrieb. Wegen der Feuersgefahr stand das Gebäude abseits der übrigen Bebauung und direkt am Dorfbach.

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